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12.08.2026
MLZ-Konferenz: Wie Neutronen gegen Krebs helfen
Vom 6. bis 9. Juli 2026 kamen 48 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Forschung und Industrie zur MLZ-Konferenz „Neutronen für die Medizin der Zukunft” ins Schloss Fürstenried nach München. Im Fokus standen Vorträge zu bioinspirierten Materialien für medizinische sowie industrielle Anwendungen, Krebstherapien und die Entwicklung von Arzneimitteln.
Die Postersession ermöglichte den Teilnehmenden den direkten Austausch über ihre aktuellen Forschungsprojekte und neue Ansätze. © Iris Köhler, Forschungszentrum Jülich
Eine Infusion gegen Krebs?
Zu Anfang erklärt Mit-Gründer Dr. Richard Henkelmann, wie seine Firma ITM Isotope Technologies MunichSE Lutetium-177 produziert: Thermische Neutronen aktivieren Ytterbium-176 (Yb-177) zu Yb-177, was zu Lutetium-177 zerfällt.
Dr. Celine Wilke, Chief Medical Officer bei ITM, führt weiter aus, wie diese Radioisotope in der Krebstherapie eingesetzt werden. Lutetium-177 wird an einen Liganden gekoppelt und kann dadurch an bestimmte Oberflächenproteine von Krebszellen binden. Die Radioaktivität wird direkt an der Zelle freigelassen. „Patienten bekommen dabei verschiedene Dosen nur über eine Infusion, eine bemerkenswert simple und dennoch effektive Methode“, erklärt Wilke.
Bor fängt Neutronen ein
Anschließend gibt Prof. Dr. Wolfgang Sauerwein von der Deutschen Gesellschaft für Bor-Neutroneneinfangtherapie einen Einblick, wie Neutronen direkt gegen Krebs eingesetzt werden können.
Dr. Mara Egenhöfer in ihrem Vortrag über thermosensitive Liposomen als Plattform für den gezielten Transport von Irinotecan, einem Krebsmedikament zur Behandlung solider Tumoren. © Iris Köhler, Forschungszentrum Jülich
Besonders vielversprechend ist derzeit der Einsatz thermischer Neutronen in der Bor-Neutroneneinfangtherapie (BNCT). Sauerwein beschreibt das Verfahren: „Dabei fängt das vorher in das Tumorgewebe eingebrachte Bor Neutronen ein und setzt Energie frei, die auf die Größe einer einzelnen Zelle begrenzt ist.“ So werden mit Bor angereicherte Tumorzellen gezielt bestrahlt und gesunde Zellen bestmöglich geschont. Diese Methode könnte nun auch in Krankenhäusern integriert werden, da es fortgeschrittene Beschleuniger-Technologien gibt.
Neutronentherapie in Krankenhäusern
In diesem Bereich ist Finnland Vorreiter und hat im April 2026 die erste europäische Phase-I-Studie abgeschlossen. Dr. Hanna Koivunoro von Neutron Therapeutics Finland Oy präsentiert in ihrer Keynote die ersten Ergebnisse dieser Studie. Bor lagert sich dabei deutlich konzentrierter in Tumoren als in gesundem Gewebe an, worauf in der Studie bis zu 73 Prozent der Patientinnen und Patienten ansprachen. „Eine Besonderheit ist, dass damit auch Kopf-Hals-Tumoren behandelt werden können, die aufgrund ihrer Lage, beispielsweise direkt hinter den Augen, schwer zu operieren sind“, erklärt Dr. Kuivonoro. Nun sollen die Studien fortgesetzt werden, um BNCT als akzeptierte Standardbehandlung in Krankenhäusern einsetzen zu können.
Perspektiven der Gesundheitsforschung
Auch an den weiteren Konferenztagen diskutierten die Teilnehmenden ein breites Spektrum an Themen aus der Neutronenforschung und ihren Anwendungen in der Medizin. So etwa die Charakterisierung durch Neutronen von bioinspirierten Materialien und moderne Diagnosemöglichkeiten. Es folgten spannende Einblicke in die Bereiche Wirkstoffentwicklung und -transport. Die Postersession bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit zum direkten Austausch über aktuelle Forschungsprojekte und neue Ansätze.
Zum Schluss widmeten sich die Vorträge der Untersuchung durch Streumethoden sowie der darauffolgenden Entwicklung biologisch realistischer Modelle der Zellhülle. Dabei wurde unter anderem diskutiert, welche Bedeutung das Verständnis bakterieller Oberflächen für die Entwicklung neuer Strategien zur Bekämpfung von Infektionen hat.
Das Fazit von Dr. Stefano Pasini, einer der Organisatoren der Konferenz: „Die Gesundheitsforschung ist geprägt von innovativen Ansätzen und internationaler Zusammenarbeit – Neutronen leisten dabei einen wichtigen Beitrag und eröffnen neue Möglichkeiten für die Medizin der Zukunft.“
Mehr Informationen:
Programm der MLZ-Konferenz 2026
Für 2026 hat das BMFTR das Wissenschaftsjahr der „Medizin der Zukunft“ ausgerufen
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