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28.03.2021

Ein Leben für die Wissenschaft

Prof. Heinz Maier-Leibnitz Prof. Heinz Maier-Leibnitz Heinz Maier-Leibnitz brachte die moderne Neutronenforschung nach Deutschland. © Firsching / TUM

Heinz Maier-Leibnitz brachte die moderne Neutronenforschung nach Deutschland. © Firsching / TUM

Heute wäre der Namensgeber der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) und des Heinz Maier-Leibnitz Zentrums (MLZ) 110 Jahre alt geworden. Als „Vater des Atom-Ei“ in Garching und Begründer des internationalen Forschungsinstituts Laue-Langevin (ILL) in Grenoble prägte Heinz Maier-Leibnitz die moderne Neutronenforschung wie kein anderer.

Heinz Maier-Leibnitz wurde am 28.03.1911 in Esslingen am Neckar geboren. Schon als Junge faszinierten ihn Naturwissenschaft und Mathematik, was ihn zum Studium der Physik an die Technische Hochschule Stuttgart und die Universität Göttingen führte. Heinz Maier-Leibnitz promovierte 1935 bei Nobelpreisträger James Franck.

Nach seiner Berufung 1952 an die damalige Technische Hochschule München übernahm er das Laboratorium für technische Physik und entwickelte es zur Keimzelle der nuklearen Festkörperphysik. Mit der Planung und dem Bau des „Atom-Ei“ (FRM) in Garching brachte er die moderne Neutronenforschung nach Deutschland.

„Forschung ist das, was mir am meisten Spaß macht“

Heinz Maier-Leibnitz bei der Übergabe des Reaktors Heinz Maier-Leibnitz bei der Übergabe des Reaktors Heinz Maier-Leibnitz (zweiter v.l.) bei der Übergabe des Reaktors an das Laboratorium für Physik der TH am 3. Februar 1958 mit (v.l.) dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Hanns Seidel, dem Rektor der TH München Prof. Dr. Ernst Schmidt und Bundes-Atom-Minister Siegfried Balke. © FRM II / TUM

Heinz Maier-Leibnitz (zweiter v.l.) bei der Übergabe des Reaktors an das Laboratorium für Physik der TH am 3. Februar 1958 mit (v.l.) dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Hanns Seidel, dem Rektor der TH München Prof. Dr. Ernst Schmidt und Bundes-Atom-Minister Siegfried Balke. © FRM II / TUM

„Mit dem Forschungsreaktor in Garching und dem Institut, das wir dazu bekamen, begann für uns ein neues Leben, denn jetzt waren wir in der Lage, kernphysikalische Experimente zu verwirklichen, die nur an wenigen Forschungsinstituten der Welt durchgeführt werden konnten“, schilderte Maier-Leibnitz die erfolgreiche Inbetriebnahme des FRM, am 30. Oktober 1957 (Edingshaus, 1986, S. 147).

Die Suche nach immer neuen, innovativen Methoden trieb Heinz Maier-Leibnitz als Wissenschaftler an. „Forschung ist das, was mir am meisten Spaß macht, und ein Forscher ist jemand, der etwas kann und tut, was nirgendwo auf der Welt jemand besser kann als er“, erklärte er sein Verständnis von Wissenschaft (Edingshaus, 1986, S. 226). Diese Einstellung gab Maier-Leibnitz auch an seine Studenten weiter, von denen er stets freies, eigenständiges Denken und Expertise einforderte.

Ideenreicher Wissenschaftler und kreativer Hobbykoch

Forschergeist und Einfallsreichtum kennzeichneten nicht nur das berufliche Leben des mehrfach ausgezeichneten Physikers. Mit großem Spaß experimentierte der passionierte Hobbykoch mit Mikrowellenküche und schrieb dazu ein Kochbuch mit unzähligen „ausgefuchsten“ Rezepten (Maier-Leibnitz & Cless-Bernert, 1987).
Heinz Maier-Leibnitz engagierte sich wissenschaftspolitisch und trieb die Einführung des Departmentsystems an der Technischen Hochschule München voran. Er gewann damit viele talentierte Forscher für die Hochschule, darunter seinen Schüler und Physik-Nobelpreisträger Rudolf Mößbauer.

Die Krönung der wissenschaftlichen Laufbahn von Maier-Leibnitz war der Aufbau des internationalen Neutronenforschungszentrums “Institut Max von Laue-Paul Langevin” (ILL) in Grenoble. Von 1967 bis 1972 setze er dort alle Ideen und Methoden um, die er zuvor in München entwickelt hatte. „Man kann heute nicht mehr sagen, was er dort alles erfunden hat, so viel ist es gewesen“, beschrieb Tasso Springer, ein Schüler Heinz Maier-Leibnitz´, dessen Verdienste am ILL (Edingshaus, 1986, S. 160).

Öffentlicher Dialog kontroverser Themen

In Erinnerung bleibt Maier-Leibnitz auch als politischer Mensch, dem die öffentliche Diskussion kontroverser Themen am Herzen lag. Bis heute haben seine Ausführungen nichts an Aktualität eingebüßt. Er sah Forscher stets in der Verantwortung, der Politik beratend zur Seite zu stehen. Entscheidend sei dabei die verständliche Darstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Maier-Leibnitz war überzeugt: „Die Probleme der modernen Welt verlangen zu ihrer Bewältigung mehr Forschung und mehr Technologie, nicht weniger“ (Maier-Leibnitz, 1983, S. 6).

Literatur
Edingshaus, A.-L. (1986). Heinz Maier-Leibnitz: Ein halbes Jahrhundert experimentelle Physik. Piper.

Maier-Leibnitz, H. (1983). Die Verantwortungen des Naturwissenschaftlers. Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse: 1983 / 1. Springer Berlin Heidelberg. DOI: 10.1007/978-3-662-06694-2

Maier-Leibnitz, H. & Cless-Bernert, T. (1987). Mikrowellen-Kochkurs für Füchse (3. Aufl.).

Weitere Informationen:
Prof. Heinz Maier-Leibnitz brachte die moderne Neutronenforschung nach Deutschland. Ihm zu Ehren tragen die Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) und das Heinz Maier-Leibnitz Zentrum (MLZ) in Garching seinen Namen.

Seit 1977 verleiht die Deutsche Forschungsgemeinschaft den Heinz Maier-Leibnitz-Preis an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in Anerkennung herausragender Leistungen. Die Preise sind mit 20.000 Euro dotiert und sollen die Ausgezeichneten darin unterstützen und anspornen, ihre wissenschaftliche Laufbahn weiterzuverfolgen. Die diesjährige Verleihung findet am 4. Mai 2021 im virtuellen Rahmen statt.

Ehrungen und Titel:
Prof. Heinz Maier-Leibnitz erhielt zahlreiche Ehrungen in Anerkennung seiner Leistungen. Darunter sind der Bayerischer Verdienstorden, Bayerischer Maximiliansorden, Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland, Offizier der Ehrenlegion der Republik Frankreich, Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, Mitglied und mehrere Jahre Kanzler des Ordens pour le mérite, Ehrendoktorwürden der Universitäten Wien, Grenoble, Reading, Otto-Hahn-Preise der Stadt Frankfurt und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Verdienstmedaille in Gold der Stadt Garching, Goldener Ehrenring der Technischen Universität München (2000).

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