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Neutralisierte Kunst: Olaf Probst über sein Werk „mehr oder weniger“ in den neuen MLZ-Gebäuden

Der Künstler hinter dem Kunstwerk: Olaf Probst

© Olaf Probst

„Mehr oder weniger“ heißt die Skulptur, die Olaf Probst für die neuen Gebäude des MLZ geschaffen hat. Im Interview erzählt der Künstler, was ihn zu seinem Werk inspiriert hat und wo die größten Herausforderungen lagen.

Ihre Skulptur „mehr oder weniger“ ist im Rahmen der Kunst am Bau entstanden. Dabei verpflichtet sich der Staat als Bauherr, einen gewissen Anteil der Bausumme für Kunstwerke zu verwenden. Wie kam der Kontakt mit dem MLZ zustande?
In diesem Fall handelte es sich um einen geschlossenen Wettbewerb. Das heißt, die Jury hat mögliche Teilnehmer ausgewählt, die eingeladen wurden. Den Vorsitzenden der Jury, Prof. Dr. Bernhart Schwenk, der den Sammlungs- und Ausstellungsbereich Gegenwartskunst an der Pinakothek der Moderne in München leitet, kenne ich schon lange und zwei andere Jury-Mitglieder, Sabrina Hohmann und Heribert Heindl, kannten mein Werk. Sie wussten, dass ich auch für Wissenschaftliches zu haben bin.

Womit konnten Sie sich gegen die Vorschläge der übrigen sechs Bewerber durchsetzen?
Ich war ehrlich gesagt erstaunt, dass ich gewonnen habe. Meine Idee war schon radikal. Alle anderen Vorschläge waren auf der Fassade – meiner war der Einzige, der sich im Raum befand. Letztendlich war, glaube ich, die Klarheit meines Projekts ausschlaggebend. Und eine sehr anschauliche Schilderung der Produktionsprozesse mit einem guten Modell.

Was hat Sie zu Ihrer Plastik inspiriert?
Im Rahmen des Wettbewerbs gibt es zu Beginn ein Kolloquium. Man wird von den Bauherren, Architekten und Nutzern zu einer Ortsbegehung eingeladen. Die bestand darin, dass wir eine Baugrube besichtigt haben. Aber dahinter sah ich das wunderschöne Atom-Ei, das ein ziemliches optisches Spektakel darstellt.

mehr oder weniger mehr oder weniger Die Skulptur "mehr oder weniger" von Olaf Probst in den neuen MLZ-Gebäuden © Valentin Wormbs

Die Skulptur "mehr oder weniger" von Olaf Probst in den neuen MLZ-Gebäuden © Valentin Wormbs

Hat Ihnen die Führung über das Gelände bei der Ideenfindung geholfen?
Ich trug ein Rätsel mit nach Hause: Was kann ich da machen? Was an der Neutronenquelle geschieht, ist mir auch ein großes Rätsel. Ich bin nicht ganz blank in Physik, aber doch gerne ein analoger Mensch. Wenn man etwas begreift, begreift man es im wahrsten Sinne auch physisch. Was am MLZ untersucht und gemessen wird, wird erst durch verschiedene Instrumente erkennbar und muss von Fachleuten übersetzt werden. So wollte auch ich etwas sichtbar machen.

Wie wollten Sie die eigentlich unsichtbaren Neutronen sichtbar machen?
Ich gehe gerne begrifflich vor und nehme Begriffe wörtlich. Mein gesamtes Werk hat immer mit Sprache zu tun. Hier habe ich mich am Begriff „Neutronen“ orientiert. Das Neutron ist energetisch neutral, also wollte ich auch etwas Neutrales machen. Als Künstler kann ich dafür Formen, Materialien, Farben und Anordnungen benutzen. Was die Form betrifft, habe ich bei den Modulen ein Quadrat in einen Kreis überführt. Es ist also weder Kreis noch Quadrat, geht kontinuierlich ineinander über. Quasi eine Nullnummer. Das verwendete Material ist weder hochwertig noch niederwertig. Es ist mittelwertig. Ein neutrales Plastik, sogar recycelbar. Und die Farbe ist grau, exakt zwischen weiß und schwarz. Außerdem sind die Module durch die Art der Herstellung außen leicht rau und innen glatt. Das habe ich so gar nicht antizipiert, aber ich freue mich jetzt extrem darüber. So gibt es noch eine weitere Neutralisierung.

Wie empfanden Sie die Zusammenarbeit mit dem MLZ?
Künstlerisch war ich komplett frei, das war wirklich toll. Als ich intern meine Arbeit vorgestellt habe, gefiel mir mein Titel noch nicht. Daher habe ich einen internen Suchwettbewerb ausgelobt. Wer einen tollen Titel hat, der soll sich melden. Letztendlich ergab sich der Titel „mehr oder weniger“ dann doch im Gespräch mit Kollegen.

mehr oder weniger Montage mehr oder weniger Montage Die Montage der Module erfolgte erst vor Ort. © Valentin Wormbs

Die Montage der Module erfolgte erst vor Ort. © Valentin Wormbs

Von vornherein war klar, dass ich die Skulpturen erst nach der Bauendreinigung montieren kann, wenn kein Staub mehr entsteht. Die Arretierungskonsolen, in die die Säulen eingeklinkt werden, mussten aber schon früh platziert werden. Das heißt ich war auch im Bauprozess einige Male vor Ort und habe mich mit der Bauleitung, dem Schlosser und dem technischen Assistenten abgestimmt.

Toll fand ich, wie proaktiv Anke Görg von der MLZ-Pressestelle auf mich zugegangen ist, um eine Broschüre über mein Kunstwerk zu erstellen.

Gab es besondere Herausforderungen für Sie?
Die größte Herausforderung war statischer Natur. Auch transporttechnisch und bei der Montage wusste ich davor nicht, ob das wirklich hinhaut. Ich bin froh, dass ich die Module schließlich einzeln gelagert und montiert habe. So konnte ich viel flexibler sein. Zu sehen, dass das alles, was erst pure Spekulation, Gedanken und Gesten in der Luft und dann ein paar Skizzen auf Papier waren, tatsächlich Form gewinnt und funktioniert, war sehr spannend. Die größte Genugtuung.

Mit der Herstellung und den Materialien habe ich komplett Neuland betreten. Insgesamt sind die Skulpturen sehr eigenständig und einzigartig innerhalb meiner Arbeit. Darauf bin ich besonders stolz.

Olaf Probst: Über den Künstler
Olaf Probst wurde 1962 in Stuttgart geboren und lebt in München. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und erhielt zahlreiche Stipendien. Seine Schwerpunkte liegen auf Zeichnungen, Skulpturen und derzeit Performance und Film. Dabei setzt er sich gerne analytisch und sehr wörtlich mit Sprache auseinander, geht ihr sprichwörtlich auf den Leim.

Probst war schon mehrfach zu Wettbewerben im Rahmen der Kunst am Bau eingeladen, seine Skulptur für das MLZ ist die erste Umsetzung.

Veronika Aechter

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit FRM II

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