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02.07.2026
Neue Echsenart mit Neutronen entdeckt
Forscher haben am FRM II mit Neutronen eine bislang unbekannte Echsenart identifiziert, die offenbar weit verbreitet war. Das etwa zehn Millionen Jahre alte Fossil zeigt, dass es damals deutlich mehr Arten gab als bisher angenommen.
Ein wandelndes Klima und neue Landverbindungen führten vor etwa 11 bis 5 Millionen Jahren im Zeitalter des Miozäns zu einem intensiven Austausch von Tierarten zwischen Europa und Asien. Die Diversität der Schuppenkriechtiere, zu denen Eidechsen und Schlangen gehören, war in dieser Zeit besonders hoch – einige Vertreter wie die Blindschleiche kommen bis heute in Europa vor. Das tatsächliche Ausmaß dieser Vielfalt blieb jedoch lange unklar, da viele Fossilien nur eingeschränkt analysiert werden konnten. Moderne bildgebende Verfahren ermöglichen nun eine genauere Rekonstruktion.
3D-Analyse mit Neutronentomographie
So hat ein Wissenschaftlerteam um Andrea Villa vom Institut Català de Paleontologia Miquel Crusafont einen Fund aus dem Norden Spaniens an der Neutronenbildgebungsanlage ANTARES FRM II untersucht.
Die Neutronenbildgebungsanlage ANTARES, hier mit Instrumentwissenschafter Dr. Burkhard Schillinger, ermöglicht einen besonders hohen Kontrast zwischen Probe und Sediment © Bernhard Ludewig, FRM II / TUM
„Der Vorteil der Neutronentomographie liegt im hohen, materialspezifischen Kontrast, der Knochen und Sediment besser unterscheidbar macht als bei Röntgenaufnahmen“, erklärt FRM II-Instrumentwissenschaftler und Co-Autor der Studie Dr. Burkhard Schillinger.
Neutronen zeigen Knochenaufbau
Die hochauflösende Neutronentomographie machte den Knochenaufbau des Tieres dreidimensional sichtbar. „Besonders ist, dass es sich um einen fast vollständigen Schädel handelt. Im Vergleich dazu sind sonst viele Fossilien nur als Fragmente zu finden“, erklärt Erstautor Andrea Villa. Vor allem das Scheitelbein – ein Knochen im hinteren oberen Bereich des Schädels – weist charakteristische morphologische Merkmale auf, die eine klare taxonomische Abgrenzung gegenüber bisher bekannten Spezies zulassen.
Die Kirche von Viladecavalls, die sich in der Nähe des Fundortes des Fossils befindet © Frederic Pahisa/Gemeindeverwaltung Viladecavalls
Drache, der Quelle bewacht
Das Forschungsteam ordnete den Fund einer neuen Art zu: Fontisaurus tarumbaire. Der Gattungsname Fontisaurus setzt sich aus dem lateinischen „fons” (Quelle, im Genitiv „fontis”) und dem griechischen „sauros” (Echse) zusammen. Er bezieht sich auf die Legende aus Viladecavalls, nach der jede Quelle der Umgebung von einem kleinen Drachen bewacht wird. Der Artname tarumbaire stammt aus dem Katalanischen und ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die Einwohner von Viladecavalls, der Gemeinde, in der das Fossil gefunden wurde.
Ein ähnliches Scheitelbein wurde auch in Deutschland gefunden, was auf eine weiter verbreitete geografische Verteilung dieser Art hinweist.
Neues Bild der Biodiversität
Die Entdeckung wirft neues Licht auf die Evolution dieser Echsen in Europa. „Sie zeigt, dass ihre Vielfalt vermutlich größer war als bisher angenommen und liefert ein klareres Bild der prähistorischen Ökosysteme des Kontinents“, erläutert Andrea Villa. Dies könnte dabei helfen, andere Fossilien künftig genauer zu bestimmen.
Originalpublikation:
A. Villa, A. Bolet, J. Klembara, et al., A new anguine lizard (Squamata, Anguidae, Anguinae) from the Late Miocene (Vallesian) of the Vallès-Penedès Basin (NE Iberian Peninsula). Swiss J Palaeontol (2025), 144, 70. Link: https://link.springer.com/article/10.1186/s13358-025-00411-3; DOI: 10.1186/s13358-025-00411-3
Mehr Informationen:
Artikel über die Benennung der neuen Art:
https://www.icp.cat/index.php/en/press-room/noticies-icp/item/3622-fossil-lizard-named-citizen-participation-icp
Neben dem Wissenschaftler der Technischen Universität München und der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) waren Forscher des Institut Català de Paleontologia Miquel Crusafont, des Departament de Estratigrafia i Paleontologia der Universität Granada, der School of Earth Sciences der Universität Bristol, des Institute of Measurement Science der Slowakischen Akademie der Wissenschaften, des Department of Ecology der Comenius-Universität Bratislava und des Dipartimento di Scienze della Terra der Universität Turin beteiligt.
Kontakt:
Dr. Burkhard Schillinger
Technische Universität München
Instrumentwissenschaftler ANTARES am FRM II
E-Mail: burkhard.schillinger@frm2.tum.de
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