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24.02.2026
Lebensretter auf vier Beinen am FRM II
13 Hunde hecheln an einem Samstag um die Kühltürme des FRM II, schnüffeln am Treppenabgang neben dem Atom-Ei herum. Was zunächst nach kontrolliertem Massen-Gassigehen aussieht, hat einen sinnvollen Hintergrund: Die BRH Rettungshundestaffel Erdinger Moos e.V. übt die Vermisstensuche in den Bereichen Mantrailing und Flächensuche. Diesmal haben sie das Gelände der Forschungs-Neutronenquelle in Garching für ihre Übung auserkoren.
Lucy verfolgt eine heiße Spur. Sie hat den Geruch einer vermissten Person aufgenommen und erschnüffelt sich den Weg zu ihr. Frauchen Tanja Kosjak hatte der schwarzen Mischlingshündin zuvor eine durchsichtige Tüte vor die Schnauze gehalten. Darin ein Stück Stoff von der gesuchten Person. „Das kann auch ein Schlüsselbund sein oder ein Bettlaken, auf dem die Person zuletzt geschlafen hat“, erklärt Tanja Kosjak, die Lucy ein spezielles Geschirr mit einer langen Leine anlegt, das nur zum Suchen und für Übungen verwendet wird. „Von außen betrachtet sieht es so aus, als gingen sie nur spazieren“, erklärt Ella Hufnagel, Ausbildungsleiterin der BRH Rettungshundestaffel und Ausbilderin im Mantrailing. Doch tatsächlich hat mit diesem speziellen Arbeitsgeschirr der Hund das Sagen, nicht das Frauchen.
Ausgebildete Rettungshündin
Lucy nimmt sofort die Witterung auf und zieht Tanja Kosjak hinter sich her, vorbei an einem blauen Container. „Wir führen die Hunde an die Stelle, wo die Person zuletzt gesehen wurde“, erklärt die Tierärztin und ausgebildete Hundeführerin. Lucy ist derzeit der einzige vollständig geprüfte Rettungshund in der Sparte Mantrailing der BRH Rettungshunde Erdinger Moos. Zwölf Hund-Mensch Teams befinden sich aktuell in Ausbildung, sechs geprüfte Flächensuchhunde stehen bereits für den Einsatz zur Verfügung, erklärt Ella Hufnagel. Ein Teil der heute anwesenden Hunde ist bereits „im verdienten Ruhestand“, wie Ella Hufnagel es ausdrückt, üben aber trotzdem mit.
Ella Hufnagel (l.) hat ihre Malinois-Hündin TnT herausgelassen. Sie schnüffelt unter dem kritischen Blick von Hundeführerin Tanja Kosjak ums Atom-Ei herum. © Andrea Voit, FRM II / TUM
Ist die vermisste Person im Besprechungszimmer?
Nun zieht Lucy mit der Schnauze dicht über dem Boden ihr Frauchen zielgerichtet zu einem Bürogebäude der Neutronenquelle. Vor der Eingangstür bleibt sie stehen, blickt zur Klinke. Ganz offensichtlich will sie ins Gebäude und wartet geduldig, bis ihr die Tür geöffnet wird. Im deutlich wärmeren Inneren akklimatisiert sich Lucy nur zwei Sekunden, schnüffelt hinter einer Glastür nach links, folgt dann aber dem Geruch nach rechts durch eine andere Glastür. Einmal links und einmal rechts im Gang, dann bleibt Lucy stehen, hebt witternd die Schnauze. Rechts ist ein Aufenthaltsraum, links ein Besprechungszimmer. „Tatsächlich haben wir hier auch kurz gestanden und überlegt, wo wir die Person verstecken“, gibt Ausbildungsleiterin Ella Hufnagel zu. Doch Lucy lässt sich von ein paar zusätzlichen Duftmolekülen im Gang nicht beirren und führt zielsicher in das Besprechungszimmer, in dem sich Konrad Past, auch ein Hundeführer, versteckt hat. Freudig setzt sie sich vor ihn hin – ihre Art zu zeigen, dass sie gefunden hat, wonach sie suchen sollte.
Zur Belohnung ein Gummischwein
Zur Belohnung für die Suche, für die Lucy rekordverdächtige zwei Minuten gebraucht hat, gibt es Hunde-Leckerlis und das Lieblingsspielzeug: ein Gummischwein, das Grunzgeräusche von sich gibt, als Lucy hineinbeißt.
Etwas mehr als 30 Einsätze hat der 2020 gegründete Verein im Jahr 2025 absolviert „Wir machen das alle ehrenamtlich“, betont Ella Hufnagel. Für die Hunde sei das einerseits eine anstrengende Kopfarbeit und andererseits eine große Freude. Ungefähr vier Jahre dauert die Ausbildung zum Mantrailer, drei Jahre zum Flächensuchhund.
„Wir üben zwei Mal die Woche“, erklärt Ella Hufnagel weiter, während sie ihrer Malinois-Hündin TnT die Tür der Hundetransportbox im Auto öffnet. „Und da freuen wir uns natürlich, wenn wir immer mal wieder an andere Orte kommen.“ So war auch der FRM II ein Zufallstreffer bei der Auswahl der Übungsorte. Neben Wäldern sind nämlich auch Industrieflächen mit Gebäuden interessante Ziele für die Rettungshundestaffel.
Versteckt sich hier jemand im Container? Flächensuchhündin Leni nimmt Witterung auf. © Andrea Voit, FRM II / TUM
Leni schnüffelt ums Atom-Ei
Während TnT eine versteckte Person aufspürt, hört man etwas entfernt ein helles Klingeln. Leni, eine altdeutsche Hütehündin sprintet mit einem Glöckchen am Halsband und völlig ohne Leine um das Atom-Ei herum. Hundeführerin Cornelia Schraml spaziert aufmerksam nach links und rechts schauend hinterher. Leni ist ein ausgebildeter Flächensuchhund und schnüffelt in einer beeindruckenden Geschwindigkeit auf dem mehrere hundert Quadratmeter großen Areal um Atom-Ei, Reaktorgebäude des FRM II und Kühltürmen allen menschlichen Düften hinterher.
Mit Taktik gegen den Wind führen
Bei der Flächensuche verfolgen die Hunde dem menschlichen Geruch im Allgemeinen und spüren so alle Menschen innerhalb eines bestimmten Areals auf. „Hierfür ist es wichtig, dass man sich eine Taktik überlegt, wie man seinen Hund optimal führt, dass er möglichst schnell ans Ziel kommt“, erklärt die Flächen- und Trümmersuchhundeausbilderin Gabriele Böhmer. Denn die Gefahr bestehe, dass bei einer langwierigen Suche die Hunde schnell auszehren und im Winter womöglich auskühlen. So führe man eher gegen den Wind als mit dem Wind, wenn das möglich ist, um mögliche Gerüche in die Nase des Hundes zu lenken.
An einem Treppenabgang schlägt Leni dann an: Sie hat die versteckte Kollegin aus der Rettungshundestaffel aufgestöbert. Nicht einmal fünf Minuten hat sie für die 500 Meter lange Strecke mit diversen Gebäuden dazwischen gebraucht. Nach fünf Stunden Übung sind Vierbeiner und Menschen glücklich: Die 13 Spürnasen haben alle versteckten Personen gefunden.
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Andrea Voit
Presse- und Öffentlichkeits-
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